Freddy Litten

Johann Conrad Bohn ‒ Kurzbiographie

Die folgende Kurzbiographie wurde ursprünglich 1993 für den zweiten Band des "Professorenkatalogs" der Ludwig-Maximilians-Universität München verfaßt und 2000 auf den damals neuesten Stand gebracht. Da jedoch das Erscheinen dieses Bandes immer noch nicht absehbar ist, wird sie hiermit in seitdem unveränderter Form im Internet präsentiert, um vielleicht doch noch von Nutzen zu sein.
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Bohn, Johann Conrad, * 23. 12. 1831 Bornheim bei Frankfurt/Main, + 14. 9. 1897 Aschaffenburg. (kath.) oo Maria Pfeiffer, * 2. 9. 1838.
V Christian, Weinhändler; M Elisabeth Mattern.

Als B. 1850 die Univ. Marburg bezog, hatte er kein Abschlußzeugnis eines Gymnasiums (er wurde als "Ausländer" immatrikuliert), sondern war von Privatlehrern ausgebildet worden bzw. Hospitant an der Univ. und der Technischen Hochschule München gewesen. Sein Studium der Mathematik und Naturwissenschaften, mit Ausflügen in die klassische Philologie, setzte er 1851 an der Univ. Breslau und schließlich der Univ. Heidelberg fort, wo er am 30. 7. 1853 ohne Diss. promovierte. Im Herbst 1854 wurde er Assistent am Physikalischen Institut der Univ. München, wohin er Philipp von Jolly gefolgt war, konnte indes bereits im Frühjahr 1855 wissenschaftlicher Assistent von Victor Regnault in Paris werden. Im Herbst 1856 kehrte er wieder an das Physikalische Institut der Univ. München zurück und habilitierte sich dort am 7. 11. 1857. Am 7. 1. 1858 wurde B. zum Priv.-Doz. ernannt; am 5. 6. 1860 wurde er aus dem bayer. Staatsdienst entlassen, um einen Ruf auf die ao. Prof. für Mathematik und Physik der Univ. Gießen anzunehmen. Am 1. 10. 1866 trat er eine Stellung als Prof. an der Central-Forst-Lehranstalt in Aschaffenburg an, wo er bis zu seinem Lebensende Mathematik und Physik, später auch Geodäsie lehrte.

B.s Arbeiten führten ihn in viele verschiedene Gebiete. Veröffentlichungen finden sich zu den Themen theoretische Physik (Wärmetheorie, Optik), Instrumente (astronomisch, geodätisch, physikalisch, chemisch), physikalische Chemie und Geodäsie. Seine Habil. "Die Lehre von der Erhaltung der Kraft - eine literarhistorische Abhandlung" stellt eher eine wissenschaftshistorische als eine physikalische Studie dar. Größere Bedeutung kommt keiner dieser Arbeiten zu. B. war zudem Referent für einige Zs. und Jahresberichte, z.B. Schlömilchs Zs. für Mathematik und Physik, und Mitarbeiter an größeren Werken, z.B. Fehlings Handwörterbuch der Chemie.

Q UAM, E-II-24 Habil. Conrad Bohn.

W Die Lehre von der Erhaltung der Kraft - eine literarhistorische Abhandlung, Habil. Univ. München 1857; Über die optischen Eigenschaften der künstlich dargestellten Weinsäure, Liebig's Annalen 113 (1860), 19-20; Über negative Fluoreszenz, Poggendorffs Annalen 133 (1868), 165-174; Photometrische Untersuchungen, Poggendorffs Annalen, Ergänzungsband 6 (1874), 386-416; Ergebnisse physikalischer Forschungen, Leipzig 1877/1878; Die Landmessung, ein Lehr- und Handbuch, Berlin 1886.

L DBA; DBA N.F.; Poggendorff, Bde. III, IV, VII Supplement (W); W. König, J. C. B., Hessische Biographien, Bd. 3, Darmstadt 1934, 345-350 (B, W).

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F. Litten

8.3.2004