Freddy Litten

Albert Jodlbauer ‒ Kurzbiographie

Die folgende Kurzbiographie wurde ursprünglich 1993 für den zweiten Band des "Professorenkatalogs" der Ludwig-Maximilians-Universität München verfaßt und 2000 auf den damals neuesten Stand gebracht. Da jedoch das Erscheinen dieses Bandes immer noch nicht absehbar ist, wird sie hiermit in seitdem unveränderter Form im Internet präsentiert, um vielleicht doch noch von Nutzen zu sein.
Bei Verwendung des hier gebotenen Inhalts geben Sie bitte Verfasser, Titel und Webadresse an.

Jodlbauer, Albert, * 27. 04. 1871 München, + 13. 05. 1945 Thierberg bei Kufstein (Tirol). (kath.). oo 10. 04. 1901 Marianne Oberhummer, * 19. 12. 1875 München, + 26. 08. 1960 Kufstein.
V Matthäus, Landwirtschafts- und Versicherungsfachmann, * 09. 05. 1829 Unterschwärzenbach bei Griesbach (Niederbayern), + 03. 11. 1890 München; M Klara Braun, * 31. 01. 1838 München, + 26. 09. 1904 München; oo 26. 11. 1859.

Nach dem Abschluß des Wilhelmsgymnasiums in München studierte J. von 1891 bis 1896 Med. an der Univ. München. Dort erhielt er am 7. 2. 1896 die Approbation als Arzt, am 11. 3. 1896 promovierte er als Schüler von Otto von Bollinger. Am 1. 4. 1896 wurde J. Assistent am pharmakologischen Institut der Med. Fakultät der Univ. München unter der Leitung H. von Tappeiners. 1901 habilitierte er sich in Medizin, die Ernennung zum Priv.-Doz. für Pharmakologie an der Univ. München erfolgte am 22. 7. 1901. Am 1. 1. 1908 erhielt J. Titel und Rang eines ao. Prof.s, am 1. 1. 1909 wurde er Assistent mit Beamteneigenschaft; zum Wintersemester 1913 erhielt er einen Lehrauftrag über Pharmakologie, Toxikologie und Arzneiverordnung für Zahnärzte; am 16. 7. 1914 wurde er Abteilungsvorsteher am pharmakologischen Institut der med. Fak. der Univ. München. Ab 1915 nahm J. freiwillig am Krieg teil, im gleichen Jahr erhielt er das Eiserne Kreuz II Klasse, 1916 den Militärverdienstorden IV Klasse mit Schwertern und das Patent als Oberarzt (1917 Oberarzt der Reserve), 1919 den Charakter als Stabsarzt. 1920 wurde J. als Konservator am pharmakologischen Institut übergeleitet. Zum 1. 10. 1923 wurde er zum o. Prof. für Pharmakologie und Pharmazie der tierärztlichen Fakultät der Univ. München ernannt (Nachfolge von Joseph Brandl). 1927 bis 1929 und 1932 bis 1934 war er Senator der Univ. München. Ende September 1936 wurde J. emeritiert, hielt aber den Lehrstuhl vertretungsweise, bis er im Sommersemester 1937 seine Lehrtätigkeit aus Gesundheitsgründen beendete. Zu seinem 70. Geburtstag erhielt J. von der Univ. München den Dr. med. vet. h. c. 1945 kam er bei einem Unfall auf seinem Besitz in Österreich ums Leben.

J.s Diss. "Ein Fall von Syphilis des Herzens" hatte einem medizinischen Thema gegolten, seine Assistententätigkeit unter v. Tappeiner aber führte ihn bald zur Pharmakologie und Toxikologie. Gemeinsam mit v. Tappeiner, Oscar Raab und anderen untersuchte er in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts die physiologischen und pharmakologischen Wirkungen des Lichts und prägte gemeinsam mit v. Tappeiner in einer Publikation von 1904 den wichtigen Begriff der "photodynamischen Wirkung". In diesem Zusammenhang gelang auch die Entdeckung, daß die photosensibilisierende Wirkung fluoreszierender Stoffe von der Anwesenheit von Sauerstoff(-ionen) abhängig ist. Daneben beschäftigte sich J. mit Problemen der Blutgerinnung, des Fluorgehalts im Körper, der pharmakologischen Wirkung von Bittermitteln sowie mit veterinärpharmakologischen und -toxikologischen Problemen.

Q UAM, E-II-N Albert Jodlbauer; BayHStAM, MK 43825; BayHStAM, Kriegsarchiv, OP 112; Berlin Document Center, Unterlagen über Albert Jodlbauer.

W Ein Fall von Syphilis des Herzens, Diss. Univ. München 1896 (gedruckt: München 1897); Über Resorption und Sekretion im Dünndarm bei Gegenwart gelöster Eiweißkörper sowie über die Wirkung von Bittermitteln auf den Dünndarm, Habil. Univ. München 1901; Über die Wirkung der photodynamischen (fluorescierenden) Stoffe auf Protozoen und Enzyme, mit H. von Tappeiner, Deutsches Archiv für Klinische Medizin 80 (1904), 427-487; Über die Beteiligung des Sauerstoffes bei der photodynamischen Wirkung fluoreszierender Stoffe, mit H. von Tappeiner, Münchener Medizinische Wochenschrift 52 (1904), 1139-1141; Die sensibilisierende Wirkung fluorescierender Substanzen, mit H. von Tappeiner, Leipzig 1907; Beiträge im Handbuch der experimentellen Pharmakologie (1924), im Handbuch der normalen und pathologischen Physiologie 12 (1926) sowie in einigen chemischen, medizinischen bzw. pharmakologischen Fachzs.

L DBA N.F.; Bosl; Poggendorff, Bde. VI, VIIa (W); F. Lieben, Geschichte der physiologischen Chemie, Leipzig 1935, 632, 635, 638; B. Issekutz, Die Geschichte der Arzneimittelforschung, Budapest 1971, 468; K. Zipf, A. J., NDB 10 (1974), 451; P. Meisel, D. Jährig, K. Jährig, Was ist, was kann die Fotopharmakologie?, Die Pharmazie 35 (1980), 377-388; J. R. Robinson, Photodynamic insecticides: A review of studies on photosensitizing dyes as insect control agents, their practical application, hazards, and residues, Residue Reviews 88 (1983), 69-100; J. D. Spikes, The origin and meaning of the term "photodynamic" (as used in "photodynamic therapy", for example), Journal of Photochemistry and Photobiology B: Biology 9 (1991), 369-371.

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F. Litten

8.3.2004