Freddy Litten

Georg Merling ‒ Kurzbiographie

Die folgende Kurzbiographie wurde ursprünglich 2000 für den zweiten Band des "Professorenkatalogs" der Ludwig-Maximilians-Universität München verfaßt. Da jedoch das Erscheinen dieses Bandes immer noch nicht absehbar ist, wird sie hiermit in unveränderter Form im Internet präsentiert, um vielleicht doch noch von Nutzen zu sein.
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Merling, Heinrich Wilhelm GEORG, * 22. 7. 1856 Berlin, + 5. 1. 1939 Bensheim/Hessen, ev. oo April 1886 Amalie Peppler, * 1864, + 1951.
V August, Telegraphendirektor, * 1825, + 1884, M Auguste Arnold.

Nach mehrmaligem, durch Versetzungen des Vaters bedingtem Schulwechsel erhielt M. 1877 sein Reifezeugnis am Realgymnasium in Hannover. Er leistete daraufhin seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger ab und nahm 1878 das Studium der Chemie an der Technischen Hochschul Hannover auf. Nach drei Jahren wechselte er an die Univ. Marburg, wo er am 20. 8. 1882 promovierte. Zwischen 1882 und 1886 war er kurz Assistent am Chemischen Institut der Technischen Hochschule Hannover und über drei Jahre lang Assistent am Chemischen Institut der Univ. Marburg bei Theodor Zincke. 1884/85 war er auch für die Chemische Fabrik C.A.F. Kahlbauer in Berlin tätig. Im Mai 1886 übernahm er eine Stelle (teils im Betrieb, teils im Laboratorium) bei der Anilinfarbenfabrik Ivan Levinstein & Sons in Blackley bei Manchester, im Frühjahr 1888 wechselte er zu den Farbwerken vorm. Meister, Lucius und Brüning in Höchst bei Frankfurt am Main, wo er hauptsächlich im wissenschaftlichen Labor arbeitete. Im März 1890 verließ er diese Stelle und übernahm zum 1. 4. eine Assistentenstelle am Chemischen Institut (Karl Kraut) der Technischen Hochschule Hannover, an der er sich am 15. 3. 1891 habilitierte. Die Stelle als Assistent gab er gegen Ende 1891 auf, hielt aber seit dem Sommersemester 1891 Vorlesungen, anfangs über anorganische, dann über organische Chemie. Am 6. 5. 1893 erhielt er den Titel eines Prof.s, am 30. 5. 1893 wurde ihm das Fach "organische Chemie" als Dozent übertragen, doch veranlaßten ihn das bevorstehende Ausscheiden Krauts und die vorgesehene Neuregelung der Dozentur, die Technische Hochschule Hannover 1894 zu verlassen. Am 26. 7. 1894 hielt M. seine Probevorlesung an der Univ. München und wurde dort am 9. 8. 1894 Priv.-Doz. Wohl auch auf Anraten Adolf von Baeyers ließ sich M. am 14. 12. 1894 wieder entheben, um mit Beginn des Jahres 1895 eine Stelle als Fabrikleiter der Chemischen Fabrik vorm. E. Schering in Berlin anzutreten. Ende 1897 verließ er diese Stelle; am 1. 5. 1898 trat er wieder bei den Farbwerken in Höchst ein. Am 1. 10. 1906 wechselte er zur Firma Schimmel & Co. in Miltitz bei Leipzig, bei der er zwei Jahre blieb. Vom 1. 4. 1909 bis zu seinem Ruhestand am 31. 7. 1922 arbeitete M. schließlich für die Farbenfabriken vorm. Friedrich Bayer & Co. in Leverkusen. Am 13. 7. 1926 verlieh ihm die Technische Hochschule Hannover den Dr.-Ing. E.h.

M. wurde zuerst im Zusammenhang mit seinen Forschungen über Tropin Anfang der 1880er Jahre bekannt, deren Ergebnisse bereits nahe an den bald darauf von Richard Willstätter erzielten lagen. In Hannover betrieb er u. a. Studien zur Tautomerie des Dihydroresorcins. In Berlin entwickelte M. 1896 die beiden Cocain-Ersatzstoffe Eucain A und Eucain B; vor allem letzteres wurde jahrzehntelang als Anästhetikum in der Augenheilkunde verwendet. Bei den Farbwerken in Höchst wandte er sich den Veilchenriechstoffen zu, wobei seine Jononsynthese besonders bemerkenswert ist. Bei Schimmel & Co. galt seine Aufmerksamkeit der Synthese des Moschusriechstoffes, während er sich in Leverkusen gemeinsam mit Fritz Hofmann der Chemie des künstlichen Kautschuks widmete. Erwähnenswert ist hier vor allem seine Isoprensynthese aus Acetylen und Aceton. Richard Willstätter bezeichnete M. als einen "sehr tüchtigen, aber nicht vom Erfolg begünstigten Chemiker"; dabei mag eine Rolle gespielt haben, daß M. weder an einer Univ. noch in der Industrie ein ihm gänzlich genehmes Umfeld fand.

Q UAM, E-II-2445.

W Beiträge zur Kenntnis des Tropins, Diss. Univ. Marburg 1882; Über Pyrrolidin- und Piperidinbasen aus ungesättigten Basen der Fettreihe und Umwandlung der Piperidinbasen in Pyrrolidinbasen, Habil. Technische Hochschule Hannover 1891; ca. 20 Beiträge in Fachzs.; zahlreiche Patentschriften.

L DBA N. F.; Pogg., Bd. VIIa; A. Skita, G. M. 1856-1939, Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft (A) 72 (1939), 77-88 (W, P); R. Willstätter, Aus meinem Leben, Weinheim 1949, 58-59; Catalogus Professorum 1831-1981, Festschrift zum 150-jährigen Bestehen der Universität Hannover, II (1981), 194 (P); H.-D. Schwarz, G. M., NDB 17 (1994), 163-164; Die Geschichte der Chemie an der Technischen Hochschule und Univ. Hannover, Hannover 1999.

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F. Litten

8.3.2004